Wenn du AZAV-Maßnahmen durchführst, kommt der AMDL irgendwann vorbei. Manchmal früher als dir lieb ist und fast immer mit dem gleichen Effekt: Im Team steigt der Puls.
Der Grund ist einfach. Das AMDL schaut nicht auf dein hübsches Konzept-PDF und auch nicht darauf, ob deine Prozesse auf dem Papier logisch klingen. Er prüft die Durchführung.
Das heißt: Anwesenheitslisten, Teilnehmerakten, Stundenpläne, Dozenteneinsatz, Lernfortschritt, Gespräche mit Teilnehmenden. Dazu kommt eine einfache Frage. Führt ihr die Maßnahme so durch, wie sie zugelassen wurde?
Dieser Beitrag erklärt dir, was der Prüfdienst AMDL ist, worauf er bewertet (W1 bis W5), wie eine Prüfung abläuft und wie du dich so aufstellst, dass eine Prüfung kein Ausnahmezustand wird.

Was ist der Prüfdienst AMDL?
AMDL steht für Arbeitsmarktdienstleistungen.
Der Prüfdienst Arbeitsmarktdienstleistungen (AMDL) ist eine bundesweit organisierte Prüforganisation der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit hauptamtlichen Prüfkräften. Er prüft die tatsächliche Umsetzungs- und Durchführungsqualität von Maßnahmen, die über Bildungsgutschein (FbW), AVGS oder im Vergabeverfahren finanziert werden.
Der Anspruch dahinter: geförderte Maßnahmen sollen nicht nur formal zugelassen sein, sondern in der Praxis so laufen, dass Teilnehmende wirklich profitieren und schneller in Arbeit kommen.
Wichtig zur Einordnung: Das AMDL ist kein „Audit“ im Sinne der Fachkundigen Stelle. Das Audit schaut systemisch auf den Träger und sein QM. Die AMDL-Prüfung ist operativ. Sie fragt: Wird die Maßnahme so durchgeführt, wie sie zugelassen wurde?
Der AMDL arbeitet bundesweit und hat Stützpunkte in Berlin, Düsseldorf und Nürnberg.
Rechtsgrundlage
Die zentrale Rechtsgrundlage für die AMDL-Prüfung ist § 183 SGB III (Qualitätsprüfung) in Verbindung mit der AZAV.
Das Prüfrecht ist klar geregelt: Die Bundesagentur kann Auskunft verlangen, Unterlagen einsehen und – im Vor-Ort-Fall – Geschäfts- und Unterrichtsräume während der Geschäftszeit betreten. Bei Mängeln kann sie eine Frist zur Beseitigung setzen. Bei schwerwiegenden Mängeln kann sie die Geltung von Bildungsgutscheinen oder AVGS für einen Träger ausschließen.
Der Prüfbericht wird gemäß § 183 Abs. 4 SGB III an die Fachkundige Stelle und die DAkkS übermittelt. Das heißt: Wenn es knallt, bleibt es selten bei „ein paar Hinweisen“.
Wer wird geprüft und wie kommt man auf die Liste?
Grundsätzlich kann jeder Bildungsträger geprüft werden, der Arbeitsmarktdienstleistungen für die BA durchführt. Das Prüfportfolio umfasst Maßnahmen aus dem Gutscheinverfahren (FbW, AVGS), dem Vergabeverfahren sowie Reha-Maßnahmen.
Wie die Auswahl erfolgt, läuft in der Praxis über drei Wege:
• Risikobasiert: Datenanalysen oder Hinweise deuten auf erhöhte Risiken hin.
• Anlassbezogen: Beschwerden von Teilnehmenden oder Hinweise von Agenturen/Jobcentern.
• Stichprobe: Auch unauffällige Träger können geprüft werden.
Ob dein Unternehmen groß oder klein ist, ist dabei nicht das Kriterium. Entscheidend ist die Maßnahme.
Prüfschwerpunkte 2026: Wo aktuell besonders genau hingeschaut wird
Drei Themen tauchen in Prüfungen zunehmend als Schwerpunkt auf.
Digitale und hybride Lernformen. Hier passieren die meisten Beanstandungen. Die Regel, die du wirklich verinnerlichen musst, ist. dass Unterricht eine synchrone Kommunikation in Echtzeit erfordert. Asynchrone Selbstlernphasen sind erlaubt, zählen aber nicht als Unterricht im Sinne der AZAV. In der Prüfung wird dann genau geprüft, ob die Aufteilung im Konzept prozentual korrekt ausgewiesen ist und ob der Stundenplan diese Aufteilung tatsächlich widerspiegelt.
Nachhaltigkeit und Green Skills. Der AMDL schaut verstärkt darauf, ob das Thema im Lehrplan verankert ist und ob Dozierende dafür fachlich geeignet sind.
Individualisierung. Der Prüfer will dokumentierte Lernstandsanalysen zum Start sehen, individuelle Förderpläne und eine nachvollziehbare Anpassung an Bedarfe.
Ablauf: Vor-Ort oder Remote – was dich erwartet
AMDL-Prüfungen laufen als Vor-Ort-Prüfung oder als Remote-Prüfung.
• Vor-Ort wird in der Regel mindestens 2 Arbeitstage vorher angekündigt.
• Remote wird in der Regel mindestens 4 Arbeitstage vorher angekündigt.
Bei Remote werden Unterlagen per verschlüsseltem Datentransfer, verschlüsselter Mail, Fax oder Post übermittelt. Dabei ist Remote nicht „leichter“. Remote heißt: Alles steht und fällt mit deiner digitalen Aktenlage. Was du nicht vorlegen kannst, wird schnell als Mangel bewertet.
Der Ablauf ist in beiden Formaten ähnlich:
- Ankündigung mit Termin, Namen der Prüfkräfte und Unterlagenliste
- Auftaktgespräch (Ablauf, Zuständigkeiten, Fragen)
- Prüfung: Unterlagen, (ggf.) Unterrichtsbeobachtung, Gespräche, Raumbegehung
- Abschlussgespräch mit den wesentlichen Erkenntnissen
- Prüfbericht an Träger, zuständige Dienststelle, Fachkundige Stelle und DAkkS
W1 bis W5: So bewertet der AMDL
Der AMDL arbeitet mit fünf Wertungsbereichen. Der Bereich W2 (Maßnahmedurchführung) hat dabei den größten Anteil.
W1 – Information
Hier geht es um Transparenz: Werden Teilnehmende vor Beginn korrekt informiert? Stimmen Angaben gegenüber Vermittlern mit der Realität überein?
W2 – Durchführung (größter Anteil)
Hier wird es ernst: Konzepttreue, Inhalte, Methoden, Umfang, Gruppengröße – und ob die Maßnahme wirklich auf Arbeitsmarktintegration ausgerichtet ist.
W3 – Personal
Fachliche und pädagogische Eignung des Personals. Passt der tatsächliche Einsatz zum Anforderungsprofil? Gibt es dokumentierte Vertretungsregelungen?
W4 – Räumlichkeiten
Eignung der Räume und technische Ausstattung (z. B. PCs, Internet). Barrierefreiheit und Sicherheit spielen ebenfalls rein.
W5 – Qualitätssicherung
Wird das QM-System gelebt? Gibt es Evaluationen? Funktioniert das Beschwerdemanagement? Und ganz wichtig: Werden aus Ergebnissen Maßnahmen abgeleitet und dokumentiert?
Wenn du intern prüfen willst, prüfe entlang dieser Logik und starte bei W2. Da hängt am meisten dran.
Handlungsbedarf: Was „gering“ wirklich bedeutet
Im Prüfbericht werden Handlungsbedarfe typischerweise in vier Stufen beschrieben:
• Kein Handlungsbedarf
• Geringer Handlungsbedarf (kleinere Abweichungen, Zielerreichung nicht gefährdet)
• Teilweiser Handlungsbedarf (Mängel, die behoben werden müssen, Frist möglich)
• Erheblicher Handlungsbedarf (gravierende Mängel, AZAV-Konformität steht im Raum)
Zusätzlich wird bewertet, ob die Maßnahmeumsetzung risikobehaftet ist. Das ist der Teil, der schnell Folgewirkungen auslösen kann.
Und noch mal: Der Bericht geht an FKS und DAkkS. Ein erheblicher Handlungsbedarf kann ein Sonderaudit durch die FKS auslösen.
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht
Wenn ich die typischen AMDL-Beanstandungen zusammenfasse, laufen sie fast immer auf fünf Muster hinaus:
Dokumentation ist lückenhaft. Fehlende Anwesenheitstage, Lernfortschritt ohne individuelle Einträge, Teilnehmergespräche nicht schriftlich festgehalten. Für den Prüfer gilt: Was nicht dokumentiert ist, ist nicht passiert.
Das Konzept wird „ein bisschen“ anders gelebt. Inhalte verschoben, Stunden reduziert, anderer Dozent eingesetzt. Wenn sich etwas ändert, muss das sauber gesteuert werden. Im Zweifel mit Freigabe über die Fachkundige Stelle.
Personalakten sind nicht komplett. Gerade bei Honorarkräften fehlen pädagogische Nachweise oder aktuelle Verträge.
Vermittlungsorientierung ist zu dünn. Es wird unterrichtet, aber Vermittlung findet nur am Rand statt. Der AMDL will sehen, dass Arbeitsmarktintegration Teil der Maßnahme ist.
Unterlagen sind nicht sofort abrufbar. Wer beim Anruf erst anfängt zu suchen, wirkt unstrukturiert und verliert Zeit.
Wie du dich sinnvoll vorbereitest (ohne „Prüfungsmodus“)
Die beste Vorbereitung ist langweilig und deshalb wirksam.
Halte das zugelassene Maßnahmekonzept als „Master“ präsent und sorge dafür, dass Stundenplan, Dozenteneinsatz und Dokumentation dazu passen. Pflege Teilnehmerakten so, dass ein Außenstehender den Verlauf nachvollziehen kann. Und bring dein Team in die Lage, typische Fragen sicher zu beantworten: Wo liegt was? Wie läuft KVP? Wie wird mit Beschwerden umgegangen? Wer entscheidet was?
Wenn du das regelmäßig machst, ist eine AMDL-Prüfung kein Ausnahmezustand mehr. Sie wird zu dem, was sie formal ist: eine Qualitätsprüfung.
AMDL-Prüfung vs. AZAV-Audit – kurz auf den Punk
• AMDL: Bundesagentur, prüft laufende Durchführung auf Maßnahmenebene, risikobasiert, Ergebnis ist Prüfbericht mit Handlungsbedarf.
• AZAV-Audit: Fachkundige Stelle, prüft System/Trägerprozesse und QM, planbar (Überwachung jährlich, Rezertifizierung), Ergebnis ist Zertifikat.
Beides hängt zusammen. Wer im Alltag konzept- und dokumentationsstabil arbeitet, hat in beiden Welten weniger Stress.
Häufige Fragen (FAQ)
Zählen asynchrone Lernanteile als Unterricht?
Nein. Unterricht erfordert synchrone Kommunikation in Echtzeit. Asynchrone Phasen sind zulässig, müssen aber im Konzept und in der Kalkulation separat ausgewiesen werden. Sie zählen nicht zur geforderten Mindestunterrichtszeit.
Wie lange dauert eine AMDL-Prüfung?
Eine Vor-Ort-Prüfung dauert in der Regel einen ganzen Arbeitstag. Remote-Prüfungen können sich über mehrere Tage ziehen.
Muss ich meine Fachkundige Stelle über eine AMDL-Prüfung informieren?
Nein. Der AMDL übermittelt den Prüfbericht gemäß § 183 Abs. 4 SGB III automatisch an die zuständige Fachkundige Stelle und die DAkkS.
Kann ich eine AMDL-Prüfung ablehnen?
Nein. Das Prüfrecht ergibt sich aus § 183 SGB III (Gutscheinverfahren) beziehungsweise aus den Vergabeunterlagen (Vergabeverfahren). Eine Verweigerung kann als schwerwiegender Mangel gewertet werden.